Pest - Pandemie im 18. Jahrhundert und Auswirkungen auf die Ahnenforschung
Im frühen 18. Jahrhundert rollte aus Nordost- und Osteuropa eine neue Pandemie auch auf Brandenburg heran. Begünstigt wurde die rasche Ausbreitung durch den damals in diesen Gebieten tobenden Großen Nordischen Krieg (1700-1721), bei dem es – wieder einmal – um den Kampf um das „Dominium Maris Baltici“, die Vorherrschaft im Ostseeraum ging. Auch in Berlin, der preußischen Hauptstadt, deren Einwohnerzahl bis zu diesem Zeitpunkt auf etwa 55.000 angewachsen war, befürchtete man das Schlimmste. Und dies aus allzu verständlichen Gründen! Im fernen ostpreußischen Königsberg hatte die Pest bereits etwa ein Viertel der zuvor sich auf 40.000 Menschen belaufenden Bevölkerung gefordert, in Danzig betrug der Aderlass gar fast die Hälfte.
Prenzlau unter Quarantäne
Unterdessen näherte sich die Pest unaufhaltsam der Mark Brandenburg, der Zentralprovinz des preußischen Staates. Am 3. August 1710 wurde der erste Pestfall in Prenzlau, der uckermärkischen Hauptstadt, registriert, worauf die Kommune durch Militär unter Quarantäne gestellt wurde. Innerhalb der Stadt sollten die Kranken gänzlich isoliert werden. Jedes Haus, in dem jemand an der Pest erkrankte, wäre nunmehr zu vernageln. Insgesamt fielen zwischen August 1710 und Januar 1711 nach einem vom damaligen Stadtkämmerer geführten Verzeichnis 665 Menschen in Prenzlau der Pest zum Opfer. Erst ein Jahr später, im August 1711, wurde die Quarantäne wieder aufgehoben.
Berlin wird von der Pest verschont
In Berlin und anderen märkischen Städten hatte man unterdessen die Maßnahmen zur Eindämmung verschärft. So sollten an den Stadttoren wirksamere Kontrollen durchgesetzt werden.
Letztlich machte die Pest um Berlin einen Bogen und betraf vor allem die nordöstlichen Landesteile der Mark. Ob dies zuvörderst auf die – wie gezeigt wurde, ja nicht durchweg effizienten – Maßregeln zur Eindämmung zurückgeführt werden kann, wird man nicht mit Sicherheit beurteilen. Hemmend auf die weitere Verbreitung dürfte sich zum einen die vergleichsweise geringe Bevölkerungsdichte in diesen Teilen der Mark Brandenburg ausgewirkt haben. Zum anderen gehörte Brandenburg nicht zu den vom Großen Nordischen Krieg heimgesuchten Gebieten. Denn die Heeresdurchzüge und Fluchtbewegungen der Zivilbevölkerung hatten natürlich die Ausbreitung der Pest maßgeblich befördert, was in jenen ost- und nordosteuropäischen Regionen, in denen dieser Krieg besonders wütete, beobachtet werden konnte.



