Ahnenforschung - ein Ablagesystem wählen
Je intensiver und länger man Familienforschung betreibt, desto mehr kommt an analogen und zunehmend auch an digitalen Unterlagen zusammen, die man irgendwie ordnen muss. Zudem sollen Originale und Fotos so aufbewahrt werden, dass sie noch lange leben und keinen Schaden nehmen.
Überlegen dir ein für dich passendes aber auch für spätere Forscher nachvollziehbares Ablagesystem. Notieren dir dieses System, so dass deine Nachkommen später auch nachvollziehen können, wo etwas liegt.
Eine Variante ist es, verschiedene Farben für die einzelnen Linien des Stammbaumes zu nehmen und innerhalb der Linien nach der Kekule-Nummerierung zu gehen. Es ist jedoch auch eine alphabetisches Ablagesystem möglich. Eine Ablage primär nach Orten ist eher nicht zu empfehlen.
Zu den häufig verwendeten genealogischen Ablagesystemen gehören:
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Nach Nachname: Alle Papiere für einen einzelnen Nachnamen werden zusammen abgelegt.
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Nach Paar oder Familie: Alle Papiere, die sich auf einen Ehemann und eine Ehefrau oder eine Familieneinheit beziehen, werden zusammen eingereicht.
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Nach Familienlinien: Alle Papiere, die sich auf eine bestimmte Familienlinie beziehen, werden zusammen abgelegt. Viele Ahnenforscher beginnen mit vier solchen Ahnenlinien - eine für jeden ihrer Großeltern.
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Nach Ereignis: Alle Papiere, die sich auf einen bestimmten Ereignistyp beziehen (z. B. Geburt, Heirat, Volkszählung usw.), werden zusammen eingereicht.
Beginnend mit einem der vier oben genannten Systeme kannst du deine Papiere dann weiter in die folgenden Kategorien einteilen:
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Nach Ort: Die Papiere werden zuerst nach einem der vier oben aufgeführten Genealogie-Ablagesysteme gruppiert und dann weiter nach Land, Bundesland, Landkreis oder Stadt unterteilt, um die Migration deiner Vorfahren widerzuspiegeln. Wenn du beispielsweise die Nachnamenmethode gewählt hast, würdest du zuerst alle BESSE-Vorfahren zusammenfassen und dann die Stapel weiter in die BESSEs von Berlin, die BESSEs aus Frankfurt am Main, die BESSEs aus Köln und die BESSEs aus Wien aufteilen.
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Nach Datensatztyp: Papiere werden zuerst nach einem der vier oben aufgeführten Genealogie-Ablagesysteme gruppiert und dann weiter nach Datensatztyp (d.h. Geburtsaufzeichnungen, Volkszählungsaufzeichnungen, Testamente usw.) aufgeschlüsselt.
Sorgsame Beschriftung der Mappen, Ordner und Boxen hilft beim Wiederfinden. Es empfiehlt sich, auf den Deckel der Boxen ein Inhaltsverzeichnis zu kleben.
Außerdem sollte es ein alphabetisches Verzeichnis der Vorfahren geben, wo der Ablageort der zugehörigen Unterlagen und Objekte vermerkt wird.
Bezifferung der Vorfahren
Am Anfang mag das Kekule System für die Forschungen noch ausreichen. Je weiter du aber in deine Familiengeschichte eintauchst, desto eher wirst du auch die Nebenlinien betrachten müssen. Sei es, weil die Witwe nach dem Tod des Uropas seinen Bruder geheiratet hat. Oder, weil dein Ur-Ur-Uropa bei jedem seiner Neffen Taufpate und gleichzeitig auch Namensgeber war und du da einfach den Überblick behalten möchtest. Auch kommen Namensgleichheiten in verschiedenen Linien vor.
Wie schon gesagt, die Anzahl der möglichen Bezifferungssysteme der gesamten Verwandtschaft ist recht groß. Sei es nach D’Aboville, Henry oder De Villiers/Pama oder auch Varianten davon. Ich möchte hier im Detail gar nicht darauf eingehen. Beim Verein für Computergenealogie findest du unter dem Stichwort Genealogisches Ordnungsverfahren weitere Informationen zu den zahlreich vorhandenen Systemen.
https://genwiki.genealogy.net/Kategorie:Genealogisches_Ordnungsverfahren
Aufbewahrung der Original-Dokumente
Ich empfehle, die Dokumente zu kopieren bzw. einzuscannen und nur mit der Kopie / dem Scan zu arbeiten.
Wenn du die Original-Dokumente anschließend aufbewahren willst, wähle hierzu bitte Jurismappen oder archivtaugliche Klarsichthüllen ohne Weichmacher, da diese das Papier ebenfalls nicht angreifen. Achte bei Klarsichtfolien auf den Zusatz „dokumentenecht“. Bei diesen Folien bleibt auch nach vielen Jahren keine Druckfarbe an der Folie kleben. Ansonsten legen ich dir spezielle Archivboxen ans Herz, in denen du deine Dokumente sicher aufbewahren kannst. Wenn du diese Hinweise befolgst, kannst du sicher sein, dass dich keine bösen Überraschungen erwarten, was den Zustand der Dokumente angeht.
Jurismappen (auch Dreiklappenmappen oder Aktenumlegemappen) haben drei breite Seitenklappen, um ein Herausrutschen der Inhalte wirksam zu verhindern. Häufig werden sie zur Archivierung von thematisch gruppiertem Schriftgut aller Art, Briefe, Karten, Poster, Graphiken, Zeichnungen, Bilder oder Fotografien verwendet. Mit Hilfe der gesonderten Halterung für Urkundensiegel ist die Jurismappe auch eine hervorragende Verpackungslösung für Urkunden. Jurismappen werden aus einem Stück mit Mehrfachrillungen an den Klappen und am Rücken hergestellt. Das Durchbiegen und die damit verbundenen Beschädigungen von Originalen können durch das Einlegen oder Einkleben von Einlegeböden verhindert werden.
Fotos und Postkarten
Für alte Fotos, Postkarten, etc. eignen sich Pergaminhüllen, erhältlich z.B. in Fachgeschäften (Briefmarken) oder bei
HANS SCHRÖDER GmbH Ostendstr. 13,
76689 Karlsdorf-Neuthard www.archiv-box.de
E-Mail: info@archiv-box.de.
Die Pergaminhülle wird oben am Querrand mit dem selbstgewählten Dateinamen des Bildes mit beliebigem Stift bezeichnet. Damit ist gewährleistet, dass das Bild in der Hülle wie eine Karteikarte in der Ablage (z.B. Archiv-Box oder Schuhkarton) eingeordnet werden kann. Eine Karteikarte wird zur Verstärkung und zur beliebigen Beschriftung in die Pergaminhülle gesteckt, damit alle Elemente auf gleiches Format gebracht werden. Das verhindert auch, dass nicht plan liegende Bilder das Archiv durcheinanderbringen.
Mein System
Zuerst habe ich mich für vier Farben entschieden und jedem meiner Großeltern eine Farbe zugeordnet. Boxen, Ordner, Mappen und Schilder in jeweils einer dieser Farben stehen für eine „Linie“. Die Originale wurden in Mappen und Boxen abgelegt. In die Ordner kommen die Personenstammblätter und Kopien der Dokumente.
Innerhalb dieser Farben nutze ich eine erweiterte Kekule-Nummerierung und die Namen.
Meine Vorfahren in direkter Linie werden nach Kekule nummeriert. Mein Vater erhält also die Ordnungszahl (oder Ahnenziffer) 2, meine Mutter die 3. Der Großvater väterlicherseits die 4 und die Großmutter väterlicherseits die 5. Der Großvater mütterlicherseits erhält die 6, die Großmutter mütterlicherseits die 7.
Geschwister von direkten Vorfahren nummeriere ich mit Kekule + Kleinbuchstaben. Die Schwester meines Vaters erhält die Nummer 2a, die Schwester meines Großvaters väterlicherseits die 4a.
Angeheiratete Partner erhalten die Ordnungszahl des Ehepartners, erweitert um ein P (für Partner). Bei mehr als einer Ehe wird wiederum eine Ziffer angehängt (P1 für den ersten Ehepartner, P2 für den zweiten Ehepartner etc.). Der erste Ehemann der Schwester meines Vaters erhält somit die 2aP1, der zweite Ehemann die 2aP2.
Beispiel:
Linie des Großvaters väterlicherseits erhält Boxen, Mappen, Ordner, Schilder in blau. Innerhalb wird geordnete nach den Nummern:
4 Großvater väterlicherseits
4a Schwester des Großvaters väterlicherseits
8 Urgroßvater = Vater des Großvaters väterlicherseits
8a, 8b, … Geschwister des Urgroßvaters
9 Urgroßmutter = Mutter des Großvaters väterlicherseits
9a, 9b, … Geschwister der Urgroßmutter
9P2 zweiter Ehemann der Urgroßmutter
und so weiter.
Linie der Großmutter väterlicherseits erhält Boxen, Mappen, Ordner, Schilder in gelb. Innerhalb wird geordnete nach den Nummern:
5 Großmutter väterlicherseits
10 Urgroßvater = Vater de Großmutter väterlicherseits
10a, 10b, … Geschwister des Urgroßvaters
11 Urgroßmutter = Mutter der Großmutter väterlicherseits
11a, 11b, … Geschwister der Urgroßmutter
22 Altvater = Vater der Urgroßmutter
und so weiter.
Linie des Großvaters mütterlicherseits erhält Boxen, Mappen, Ordner, Schilder in grün. Innerhalb wird geordnete nach den Nummern:
6 Großvater mütterlicherseits
12 Urgroßvater = Vater des Großvaters mütterlicherseits
12a, 12b, … Geschwister des Urgroßvaters
13 Urgroßmutter = Mutter des Großvaters mütterlicherseits
13a, 13b, … Geschwister der Urgroßmutter
13b-1 = ältestes Kind des zweitältesten Geschwister der Urgroßmutter
und so weiter.
Außerdem habe ich vorne im Ordner eine Übersicht und einen „Stammbaum“ der jeweiligen Linie. Bei jeder Person folgen auf das Personenstammblatt die chronologisch rückwärts geordneten Unterlagen (Beerdigung-Sterbeurkunde-...-Taufe-Geburt).
Urkunden und Bilder mit mehreren Personen habe ich im Original unter dem zuerst genannten Namen bzw. bei der ältesten abgebildeten Person abgelegt.



